China-Reihe Teil 2: Made in China – Ende einer Ära?

Ein Blick auf die Herkunftsangaben auf Kleidung, Spielsachen oder Haushaltsgeräten macht deutlich: Made in China liegt noch immer stark im Trend. Einem Trend, dem auch die Display-Branche nicht entkommen konnte. Die Herstellung der Systeme zu deutschen Material- und Personalkosten ist längst nicht mehr möglich. Wer konkurrenzfähig sein will, der bezieht seine Displays nicht aus deutscher Produktion, sondern aus dem Fernen Osten. Der Vorteil scheint auf der Hand zu liegen: Die geringeren Produktionskosten ermöglichen, Produkte auf dem heimischen Markt zu einem geringeren Preis zu verkaufen. Doch wie gering sind die Kosten wirklich? In den vergangenen Monaten haben wir uns verstärkt mit dieser Frage beschäftigt.

Die Produktion in China bringt Kosten mit sich, mit denen manch einer im Vorfeld nicht gerechnet hätte:

Große Stückzahlen: Für chinesische Hersteller lohnt sich die Produktion eines Systems erst ab einer gewissen Stückzahl. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, nur eine geringe Menge abzunehmen um zu testen, wie ein Produkt auf dem deutschen Markt ankommt. Somit birgt jede Neueinführung ein enormes finanzielles Risiko.

Kaum Flexibilität: Die Produktionszeit für sämtliche Präsentationssysteme beträgt etwa vier Wochen. Hinzu kommen die langen Lieferzeiten, die es schier unmöglich machen, individuelle Kundenwünsche innerhalb weniger Tage umzusetzen. Eine schnellere Lieferung per Luftfracht treibt die Kosten enorm in die Höhe.

Qualitätsprobleme: Chinesischen Produzenten ein Verständnis für deutsche Qualitätsstandards zu vermitteln erfordert jahrelange Kontaktpflege verbunden mit regelmäßigen Produktionsstätten-Besuchen. Und selbst dann ist nicht garantiert, dass nicht trotzdem gelegentlich ein Container geliefert wird, in dem ein großer Anteil der Systeme fehlerhaft ist. Möglicherweise könnte die dauerhafte Stationierung eines deutschen Qualitätsmanagers in China Abhilfe verschaffen. Doch ergänzt man die eigene Rechnung um diese Kosten, lässt sich die Sinnhaftigkeit einer chinesischen Produktion erst recht in Frage stellen.

Transportrisiken: Ein Frachtcontainer befindet sich 4 bis 5 Wochen auf dem Meer. Hinzu kommen ungefähr 2 Wochen, die die Ware benötigt, um über Land die Küste zu erreichen bzw. ab dem europäischen Hafen den Empfänger. Unterwegs ist die Ware zahllosen Belastungen ausgesetzt: Erschütterungen, Hitze, Frost, Feuchtigkeit… Selbst wenn die Systeme die Produktionsstätte unbeschädigt verlassen, kommen sie möglicherweise in einem Zustand an, in dem sie nicht mehr zu verkaufen sind.

Aus diesem Grund stellt sich die Frage, ob sich eine Produktion im europäischen Raum schlussendlich nicht doch rechnen würde. Zwar wäre hier mit höheren Produktionskosten zu rechnen, allerdings würden sich die Kosten für den Transport sowie für Fehlproduktionen und Brüche verringern. Zudem könnte man dank kürzerer Lieferzeiten schneller auf individuelle Kundenwünsche eingehen, ohne enorme Mehrkosten für den Transport in Kauf nehmen zu müssen. Bedenkt man nun die wachsende Bedeutung des Customizings, so scheint es nur eine Frage der Zeit, bis sich immer mehr deutsche Display-Vertriebe wieder den Produzenten im europäischen Raum zuwenden.

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